WM: Nicht alles gut, Ende gut
Die World Orienteering Championships [WOC] 2026 in Genua in Italien wurden am 11. Juli 2026 mit der spektakulären Mixed-Sprint-Staffel abgeschlossen. Im rot-weiß-roten Quartett mischten Jannis und Ylvi kräftig mit und konnten sich im flotten Feld der 32 Nationen über den 9. Platz für Österreich freuen. Nach einer spannenden Stunde hatte das Schweizer Team die Hosen an.

Hosen und Genua, das hat schon immer zusammengehört. Die Stadt war jahrhundertelang ein wichtiger Handelsplatz und gilt als Geburtsort der weltweit wahrscheinlich beliebtesten Hosen. Die Modelle, die am 11. Juli 2026 mitten in der Altstadt auf der Piazza Matteotti präsentiert werden, sind eng, kurz bunt und funktionell. In ihnen stecken die 32 Startläuferinnen der weltmeisterlichen Mixed-Sprint-Staffel.

Für Österreich verschwitzt zunächst Anna Gröll [OLC Graz] ihre Sport-Shorts. Nach dem ersten Posten wartet gleich eine lange, harte Bergaufpassage zu einem kleinen Park. Die Grazerin hält sehr gut mit und das rot-weiß-rote Quartett gut im Rennen. Nach dem Downhill befinden sich die letzten Posten dann wieder in den schmalen Gassen der Altstadt, in der ab dem 16. Jahrhundert auch fleißig Hosenstoff gewebt und gefärbt wurde. Die heimischen Farben tauchen bei der Übergabe in der Arena auf dem 12. Platz auf, nur 45 Sekunden hinter der Spitze.

Für die Anfertigung der Arbeitskleidung der Hafenarbeiter verwendete man früher einen robusten Stoff aus arabischer Baumwolle, die in den Farben weiß und braun erhältlich war. Später wurde auch Indigoblau zum Einfärben der Hosen verwendet. Die „Blue Genova“ war geboren – wie am 11. Juli 2026 ein neuer österreichischer OL-Held. Denn auf der zweiten Mixed-Staffel-Strecke ist vor allem die Farbkombination rot-weiß-rot hochmodern. Lukas Novak [Leibnitzer AC] ist das scharfe ÖFOL-Buttermesser. Dem Steirer gelingt ein Traumlauf, vielleicht der Beste seiner Karriere. Bei Halbzeit des Rennens ist Österreich – das ist kein Tippfehler – auf dem 3. Platz. Vor Top-Nationen wie Schweden, Finnland, Dänemark, Frankreich und Tschechien.

Auf der dritten Strecke hat Jannis keine Zeit, rot zu werden. Unser WM-Medaillengewinner von 2023 hält sich im Wissen, derzeit noch nicht zu 100% in Topform zu sein, gegen die Weltklasse-Gegner gut und Österreich klar in den Top Ten:
Ich wäre gerne schneller gelaufen, denn ich habe schon gemerkt, die Leute um mich herum hatten einen höheren Speed.
„Ich habe sehr kämpfen müssen, um da mitzulaufen. Es war o.k.“ sagte er im ORF-Interview. Österreich segelt auf dem 9. Platz zur letzten Übergabe und der Handelsartikel „Blue Genova“ irgendwann auch nach Amerika.

Die Reise der ÖFOL-Mixed-Staffel wird von Ylvi erfolgreich zu Ende gebracht. Es entwickelt sich ein Dreikampf Österreich gegen Neuseeland gegen Finnland um die Plätze 8 bis 10. Die Finnin stürzt früh, fällt zurück, holt dann aber wieder auf. Die Neuseeländerin läuft lange knapp vor Ylvi, die bei Posten 12 dann hauchdünn vor ihrer Gegnerin ist. Auch zu den letzten beiden Posten werden unterschiedlich Routen gewählt, Neuseeland gewinnt das Match knapp, Österreich belegt dennoch den starken 9. Platz, den Ylvi im ORF-LIVE-Interview so kommentiert:
Es ist kein schlechtes Ergebnis, aber wir wollten den 8. Platz von der WM 2024 verteidigen oder sogar verbessern
Dieses WM-Rennen ist für unser Naturfreunde Wien-Duo keinesfalls in die Hose gegangen, denn vor 2 Jahren wurden die Top-Teams Schweden und Dänemark disqualifiziert. Insofern ist das Ergebnis 2026 sehr hocheinzuschätzen, noch dazu, wo man unter anderem Finnland schlagen konnte. Der 9. Platz ist das erste und einzige ÖFOL-Top Ten-Ergebnis bei dieser WM und darf gefeiert werden.

An der Spitze lässt die Schweiz erst auf der Schluss-Strecke die Hosen runter. Die überragende Simona Aebersold macht aus 28 Sekunden Rückstand im Ziel 20 Sekunden Vorsprung und darf sich mit Natalia Gemperle, Tino Polsini und Fabian Aebersold als Doppelweltmeisterin bei diesem Titelkämpfen feiern lassen.

Die Hosen aus Genau traten in Amerika einen ähnlichen Siegeszug an. Aus dem französischen Städtenamen von Genua („Genes“) entwickelte sich in der amerikanischen Umgangssprache das Wort „Jeans“, versehen mit dem Zusatz „Blue“. Welche Teams bei der abschließenden WM-Party die weltberühmten blauen Hosen anhatten, ist dem Autor nicht bekannt.


