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WM: Galavorstellung & Zitterpartie

Nach einem Ruhetag wurden die World Orienteering Championships [WOC] 2026 in Genua am 09. Juli 2026 mit der harten K.O.-Sprint-Qualifikation fortgesetzt. Für Ylvi und Nico, unser Naturfreunde Wien-Duo im Einsatz, endete der kurze, aber intensive Arbeitstag in Italien mit der besten aller Feierabend-Nachrichten: Beide konnten sich für die K.O.-Läufe der besten 36 Damen und Herren qualifizieren. Während Ylvi ihren Vorlauf souverän überstand, war es bei Nico knapp und dramatisch.  

Foto: IOF – Kristina Lindgren

In Genua ging es offenbar schon immer darum, den Weg zu finden. Auch wenn man manchmal nach dem letzten Schritt ein Ergebnis sah, aber trotzdem nicht wusste, wohin dieser Weg eigentlich geführt hatte. Wettkämpfe gab es immer schon, auch ohne Startnummern. Cristoforo Colombo befand sich in einem solchen, mit portugiesischen Gegnern. Als Hoffnungsträger des spanischen Teams „Königreich Kastilien“ hat er in seiner Heimatstadt Genua die Startbox im Hafen mit Karte und Kompass verlassen. Gesucht hat er in diesem Rennen den Seeweg nach Indien, gefunden hat er Nordamerika. 534 Jahre später würde so mancher vielleicht fragen, ob das wirklich notwendig war und ob man sich diese Entdeckung nicht besser hätte sparen können. Problem: damals kannte man noch keine Notfall-Telefonnummer und wusste auch nicht, wen man anrufen sollte. Aber das ist eine andere, politische Geschichte.

Foto: IOF – Kristina Lindgren

Der Weg, den knapp 100 Orientierungsläuferinnen aus aller Welt am 09. Juli 2026 in Genua finden wollten, war der Landweg aus der K.O.-Sprint-Qualifikation heraus, hinein ins K.O.-Sprint-Viertelfinale der besten 36. Nur die Top 12 aus jedem der drei Vorläufe würden diese Hürde überspringen. In Seefahrersprache ausgedrückt: es herrschte raue See an Land. Die anspruchsvollen Bahnen führten steil bergab zur tiefergelegten Arena. Dazwischen musste man immer wieder entscheiden, auf welchem Kurs man gegen den Wind segelt, also wo und wie man die Bergauf-Passagen absolviert. Viele schmale Stiegen waren in den Routenwahlen zu berücksichtigen und, vor allem, zu finden.  

Foto: IOF – Kristina Lindgren

Bei den Damen scheiterten einige starke Athletinnen in dieser K.O.-Sprint-Qualifikation. Nicht so Ylvi, die alle Segel setzte und mit einer Galavorstellung den großartigen 4. Platz ins Ziel brachte, nur 7 Sekunden hinter Sprint-Vizeweltmeisterin Pia Young Vik aus Norwegen und 20 Sekunden vor der Bronzemedaillengewinnerin vom Dienstag, Lucie Dittrichova aus Tschechien.

Foto: IOF – Kristina Lindgren

Im Feld der 108 Männer ließ sich Nico auch von einigen Fehlern nicht vom Kurs abbringen. Nach knapp elfeinhalb Minuten erreichte er das Ziel, aber noch nicht den sicheren Hafen. Der wirklich harte Teil begann erst jetzt mit dem großen Bangen. Geht es sich aus oder nicht? Rund eine halbe Stunde musste er warten wie ein Seefahrer auf dem spiegelglatten Meer auf den Wind. Aber schließlich kam die gute Nachricht wie eine rettende Brise. Es wurde genau der notwendige 12. Platz. Freud und Leid liegen knapp beisammen. In diesem Fall sind es 6 Sekunden, die ihn vom 13. Platz trennten:

Es war eine Zitterpartie, aber irgendwer muss 12. sein

lautete der trockene Kommentar des schwitzenden Nico. Morgen, am Freitag, kann man ihm, Ylvi und all den anderen Glücklichen aus insgesamt 23 Nationen ab 12 Uhr 55 LIVE in ORF Sport Plus zusehen:    

Foto: IOF – Erling Thisted

Um 13 Uhr 14 beginnt für Ylvi der Kampf Frau gegen Frau im Viertelfinale. Die harten Gegnerinnen sind die Schwedinnen Karolin Ohlsson und Sanna Fast sowie Hedvig Gydesen [DEN], Boglarka Czako [HUN] und Ana Cernicharo [ESP]. Die Top 3 steigen ins Semifinale auf. Nico steht dann um 13 Uhr 56 gemeinsam mit den schnellen Schweizern Timo Suter und Fabian Aebersold, Akseli Ruohola [FIN], Felix Hunt [NZL] und Konstantin Kunckel [GER] an der Startlinie dieses WM-K.O.-Sprint-Viertelfinales. Da geht es unserem Bundesheer-Sportler wie Christoph Kolumbus vor 534 Jahren. Er betritt Neuland.