Weltcup: Sprint der Zaunkönige
Nach dem K.O.-Sprint in Lidköping und einem Ruhetag ist die Orientierungslauf-Weltelite nach Skara übersiedelt, um in Schweden zwei weitere Weltcup-Rennen zu laufen. Beim Sprint am 30. Mai 2026 waren Ylvi, Tina, Jannis und Nico mit von der schnellen Partie. Ylvi konnte mit dem 25. Platz erneut ihr bestes Weltcup-Sprint-Ergebnis einstellen. Dennoch war dasNaturfreunde Wien-Resümee durchwachsen. Durchgesetzt haben sich jedenfalls „die Zaunkönige“.

Die Wochen und Monate vor dem Weltcup-Sprint in Skara müssen für die Bahnleger wie die beste Weihnachtsbescherung gewesen sein. Man packt seine Geschenke aus und entdeckt ein neues Lieblingsspielzeug, mit dem man spielt und spielt und spielt. In diesem Fall steckte das Lieblingsspielzeug in einer Schachtel mit der Aufschrift „künstliche Barrieren“. Bei diesem Rennen wurden gefühlt mehr Absperrungen und Zäune verwendet als bei einem Konzert von Helene Fischer, der letzten Etappe der Tour de France oder im Tiergarten Schönbrunn.

Das bestätigte der Blick auf die Karte ebenso wie die Reaktion von Betroffenen. Ylvi, die mit Platz 25 ihr bestes Ergebnis in einem Weltcup-Sprint einstellen konnte, sah zeitweise den Wald vor lauter Zäunen nicht:
„Du warst extrem gefordert. Du hast nie wirklich vorauslesen können. Es gab so viele Absperrungen und dadurch auch so viele mögliche Routen. Du hast gar nicht alles erkennen können.“

So kommt fast niemand fehlerlos durch das Barrieren-Labyrinth in Skara. Auch Ylvi nicht, obwohl sie WM- und EM-Medaillengewinnerinnen wie Natalia Gemperle [SUI], Venla Harju [FIN] oder Andrine Benjaminsen [NOR] hinter sich lassen kann. Es ist ein weiteres Weltklasse-Ergebnis für Österreichs derzeit schnellste Orientierungsläuferin. Auf die Top 20, ihr großes Ziel, fehlen Ylvi in Skara nur 5 Sekunden.

Vor lauter Stress beim Navigieren rund um die künstlichen Sperren konnten die Schönheiten der Strecke, wie etwa der Abschnitt durch das Freilichtmuseum von Skara Auch, nur peripher wahrgenommen werden. Mehr als 30 alte Häuser und Gebäude aus der Region Västergötland wurden hier neu aufgebaut, um die schwedische Vergangenheit zu bewahren. Alle Asse durften sich auf dem großen Museumsgelände so richtig austoben.

In der schwedischen Gegenwart lief Jannis bei seinem Comeback im Weltcup auf Platz 59 im Feld der 135 Sprinter aus aller Welt. Nico unterliefen wie in der K.O.-Sprint-Qualifikation zu viele kleine Fehler und er konnte sein Tempo nicht bis zum Schluss durchziehen, so blieb nur Platz 94. Ein ähnliches Ergebnis gab es bei den Damen für Tina mit Platz 91.

Die Zaunkönige von Skara waren Kasper Harlem Fosser [NOR], Tuomas Heikkila [FIN] und Mathias Barros Vallet [FRA], die bei den Männern auf das Podest der Top 3 steigen durften. Als die schnellsten Zaunköniginnen erwiesen sich Simona Aebersold [SUI], Malin Agervig Kristiansen [DEN] und Sanna Fast [SWE].

Alle genannten haben die ernst gemeinte Frage nach den stärksten Athletinnen und Athleten nach rund 14 Minuten mit einem zufriedenen Lächeln beantwortet. Die schwedischen Veranstalter haben bei der Mannschaftsführersitzung im Vorfeld des Sprints für die Beantwortung einer vielleicht nur teilweise ernst gemeinten, aber jedenfalls sehr lustigen Frage nicht einmal eine Sekunde benötigt. Ohne eine Miene zu verziehen. Die Frage bezog sich auf die Eishockey-Weltmeisterschaft und das Halbfinale Schweiz gegen Norwegen am Sprint-Wettkampftag. Die Frage lautete: „Ist es möglich, in der Quarantäne das Spiel Schweiz gegen Norwegen LIVE zu zeigen“. Die knappe und von jeglichem Humor befreite Antwort der Veranstalter: „Nein“.

Möglicherweise hatte der blau-gelbe Sportstolz ein paar Kratzer abbekommen. Schließlich hatte die Schweiz zwei Tage vorher dem schwedischen Team im Viertelfinale der Eishockey-WM ein paar Zäune aufgestellt und den Weg ins Halbfinale vesrperrt. Und dann gab es am Samstag beim Weltcup-Sprint in Skara nur einen Podestplatz für das erfolgsverwöhnte schwedische OL-Team. Auch das noch.


