EM 2026: Grün, nicht Farbe der Hoffnung
Bei den European Orienteering Championships [EOC] in Druskininkai in Litauen wurden die Entscheidungen über die Mitteldistanz am 26. September 2026 als extrem schwierige Rennen angekündigt. Und für viele kam es im grünen Gelände noch viel schlimmer. Nicht nur für Nico, Ylvi & Lina. Auch Stars wie Tove Alexandersson [SWE] oder Simona Aebersold [SUI] konnten nach großen Fehlern nicht das umsetzen, was sie sich vorgenommen haben.

Die Landschaft rund um Druskininkai hat ihre touristischen Reize. Hier, im ländlichen Litauen ist die Natur der Star. Eintauchen ist angesagt. Eintauchen in zahlreiche Seen, in die Nemunas, den längsten Fluss Litauens und in die weitläufigen Wälder. Dabei können im Dzukija Nationalpark europäische Bisons (Wisent) ebenso auftauchen, wie geschützte Sumpfschildkröten im Regionalpark Veisiejai. Die Natur ist der Star. In Veisiejai sind an diesem Wochenende die Wörter in eine andere Reihenfolge bringen. Hier sind die besten Orientierungsläuferinnen und Orientierungsläufer die Stars in der Natur.
Jung- und kommende Stars liefen vor 20 Jahren durch diesen Wald, bei den Junior World Orienteering Championships [JWOC] 2006. Schon damals hat sich ein Wiener Naturfreund mit den Herausforderungen dieses von abschmelzenden Gletschern nach der Eiszeit geprägten Geländes herumschlagen müssen. Mit unzähligen kleinen Hügeln und Senken, mit sehr unterschiedlich belaufbarem Mischwald, mit schlechter Sicht, mit vielen Richtungswechseln und schwierigen Postenstandorten. Ernst Bosina beendet sein Rennen damals auf dem 126. Platz. Zwei Jahrzehnte später kommen leider auch Lina, Nico & Ylvi nicht so zurecht, wie sie das erhofft haben.

Unsere beiden A-Finalisten werden vielleicht noch lange von Posten 6 träumen, und es werden keine süßen Träume sein. Nico beginnt ordentlich, kleine Unsicherheiten sind verschmerzbar, aber nicht das, was ihm auf dem Weg zu Posten 6 passiert: „Mit ist da der Lauf komplett entglitten. Ich habe einen Hügel falsch interpretiert und ewig gebraucht, bis ich mich auffangen konnte. Und zum 11er ist mir dasselbe nochmal passiert“. Zweimal gehen jeweils drei Minuten im hellgrün-dunkelgrün gemusterten Unterholz verloren. Da hilft danach der an sich gute Speed auch nichts mehr. Nico beendet dieses A-Finale auf dem für ihn enttäuschenden 57. Platz, eine Sekunde vor Staatsmeister Lukas Novak [Leibnitzer AC], seine Kurzzusammenfassung sagt alles:
„Zwei große Fehler, damit kann ich nicht zufrieden sein.“
Die Gesellschaft, die bei Posten 6 alle Hoffnungen in einem grünen Grab beerdigt, ist prominent. Bei den Damen kreisen unter anderem die zwei Ausnahmekönnerinnen Tove Alexandersson [SWE] oder Simona Aebersold [SUI] minutenlang planlosdurch den Wald. Auch Ylvi wird an dieser Stelle grün vor den Augen, sie verliert allein bei Posten 6 rund 11 Minuten, weitere Fehler sorgen für Frust im Ziel: „Ich weiß gar nicht, wie ich es zusammenfassen soll. Es hat gar nichts funktioniert. Ich hatte eigentlich das Gefühl, ich bin bereit uns habe einen guten Plan. Aber ich bin überhaupt nicht zurechtgekommen, weder mit dem Kompass noch mit der Karte.“ So wird es für Ylvi nur der 66. Platz in diesem A-Finale:
„Ich war oft sehr nah dran, aufzugeben.“
Die Titel an diesem ereignisreichen Tag gehen nach Skandinavien. Hanna Lundberg [SWE] und Kasper Harlem Fosser [NOR] jubeln über Gold, während Lina im B-Finale schon den ersten Posten auf einem kleinen grünen Hügel sucht und sich schließlich auf den 49. Platz kämpft.

Einmal geht’s noch. Morgen, am Sonntag gipfeln die European Orienteering Championships [EOC] in den beiden Staffel-Entscheidungen mit Ylvi, Lina & Nico. Ab 10.40 Uhr gibt es alles LIVE in ORF Sport Plus zu sehen.


