Nicht alle WM-Sprint-Zutaten gefunden
Die einen fahren zum Essen nach Italien, andere zum Laufen. Zu denen gehören Ylvi, Jannis & Nico, die sich für die World Orienteering Championships [WOC] 2026 in Genua qualifiziert haben. Der WM-Auftakt in Italien mit dem Sprint am 04. Juli 2026 brachte unterschiedliche Geschmacks- und sonstige Erlebnisse. Selbst der sehr gute 22. Platz von Ylvi sorgte nicht für große Begeisterung, ging nicht runter wie Öl.

Stichwort Öl. Ligurien ist berühmt für sein Olivenöl. In Genua kommt es im traditionellen Focaccia Genovese optimal zur Geltung. Das fluffige Fladenbrot hat seinen Namen vom lateinischen Wort für Feuerstelle „focus“. Da passt es auch zum WM-Sprint 2026, dass sich die erste TV-Zwischenzeit bei Posten 5 im Schanigarten eines kleinen Lokals mit Pizzaofen befindet. Der rustikale Freiluft-Herd ist um diese Tageszeit noch kalt, die beiden Sprint-Rennen sind heiß wie das Feuer in einem Holzofen.

Kaum ein Läufer oder eine Läuferin kann den anderen Fokus, also den, der die Konzentration auf die Aufgabe beschreibt, über den ganzen, langen & harten Sprint aufrechterhalten. Viele Top-Athletinnen und Athleten finden das richtige Rezept nicht. Viele pikante Zutaten finden sich in diesem Bahn-Konzept wieder: man nehme viele natürliche Labyrinthe, teilweise sogar auf verschiedenen Ebenen, würze diese mit sehr vielen Mauern, verfeinert mit steilen Stiegen-Passagen, durchsetze das Ganze dann mit äußerst komplexen Karten-Situationen, gibt noch eine Prise Höhenmeter dazu und schmeckt den Spaß mit zahllosen Routenoptionen ab. Fertig ist der lange und extrem anspruchsvolle, also würdige WM-Sprint.

Leibgericht oder Lieblingsspeise. Im Zusammenhang mit den heutigen Rennen in Sestri Ponente im Westen von Genua wird niemand aus unserem Trio diese Wörter verwenden, um den Tag und das Ergebnis einzuordnen. Obwohl Ylvi, anders als sonst, nicht ohne Fehler beginnt und bei der ersten TV-Zwischenzeit nur 30. Ist, könnte einem Fan danach das Wasser im Munde zusammenlaufen. Unsere Top-Sprinterin arbeitet sich auf den 17. Platz nach vorne und ist nah dran, ihre Wunsch-Speise aus dem Rohr zu holen. Der erhoffte Top 20-Platz wird es dann knapp doch nicht, weil Ylvi die letzte lange Route nicht optimal wählt:
„Mir dürfte am Ende der Saft im Kopf ausgegangen sein, ich habe die richtigen Routen einfach nicht mehr gesehen.“
Trotz Umweg und Zeitverlust ist der 22. Platz zwar das beste WM-Ergebnis unserer Bundesheer-Sportlerin überhaupt, stellt sie aber dennoch nicht zufrieden. Ganz im Gegenteil: „Ich bin sehr enttäuscht, natürlich nimmt man eine WM-PB gerne mit, aber ich habe heute einfach zu viele Fehler gemacht.“

Bei den Männern verschluckt sich Nico bereits an und in der Qualifikation. Er ist läuferisch und auch technisch sehr stark unterwegs und klar auf Kurs Top Ten, bis der eine, entscheidende Fehler passiert, der alle Hoffnungen zunichtemacht: „Wenn man nicht zählen kann, ist das ein Problem“ fasst er seinen Tag kurz zusammen. Von Posten 8 läuft er Richtung 9, dann aber an diesem vorbei weiter zu Nummer 10. Er reagiert zu spät, der Zeitverlust zu groß und die Final-Qualifikation dahin.

Jannis übersteht bei seinem Comeback auf der großen Bühne den Vorlauf. Das Finale ist dann wie ein (zu) großer Bissen, der im Hals steckenbleibt. Unser WM-Medaillengewinner ist sehr ge- und teilweise überfordert: „Ich habe leider von Anfang nicht wirklich hineingefunden. Ich habe die offenen Passagen nicht gesehen, manche Posten nicht gefunden. Man kriegt dann auch mit, dass man nicht so im Fluss ist. Ich habe zuletzt auch nicht so viele OL-Trainings gemacht und war daher vielleicht auch nicht auf diese Schwierigkeiten vorbereitet.“ Es ist ein Wettkampf, der Jannis auf seinem Weg zurück wenig Spaß macht und auf dem 39. Platz endet.

Vielleicht muss man es am Freitag mit einem anderen Gericht versuchen, gerade in Italien kann das ja kein Problem sein. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Pizza, auch wenn das kein klassisches Street-Food ist. Kann man pizzatechnisch an der ligurischen Küste überhaupt etwas falsch machen? Wir werden es sehen. Die K.O.-Sprint-Qualifikation wird am Donnerstag gelaufen. Am Freitag werden dann Viertelfinale, Halbfinale & Finale in ORF Sport Plus ab 12 Uhr 55 sehr fein angerichtet LIVE nach Hause zugestellt. Guten Appetit!


