Die schnelle K.u.G-Hofgesellschaft
Unter den 46 Sportarten, die die Sport Austria Finals 2026 in Wien zu einem riesigen Multiport-Ereignis machen, gehört auch Orientierungslauf, heuer am 04. Juni 2026 erstmals mit vier Staatsmeisterschaftsentscheidungen. Die ersten beiden Titel wurden an die schnellste Sprinterin und den schnellsten Sprinter des Landes vergeben. Die Goldmedaillen gingen an Jasmina und Nico, außerdem konnte Tina dem goldenen Doppelpack eine Bronzemedaille hinzufügen.

Die auf der Karte „Altes AKH/Uni Campus“ abgebildete historische Architektur verlieh den Sprint-Staatsmeisterschaften 2026 irgendwie das Flair einer Veranstaltung am kaiserlich-königlichen Hof – genauer gesagt – im kaiserlich-königlichen Hof. Für die mehr als 50 Herren und knapp 40 Damen, die Teil dieser Staatsmeisterschaftsentscheidung waren, begann die Uhr im Hof 1 des ehemaligen, alten Allgemeinen Krankenhauses zu ticken. Sein Name, Invalidenhof, stand im Gegensatz zum Ziel aller Läuferinnen und Läufer: schnellstmögliche Mobilität & höchstmögliche kognitive Aufmerksamkeit. Im größten Hof der gesamten Anlage warteten die ersten, schnellen Posten.

Danach spiegelten sich Postenschirme und laufende Silhouetten in den großen Fenstern der Nationalbank. Im Ostarrichi-Park vor dem imposanten Gebäude führten die Sprint-Bahnen auch rund um sowie durch das Mahnmal für die in der Shoah ermordeten 65.000 jüdischen Österreicher.

Auf ihrer weiteren Jagd nach Titeln und Medaillen liefen alle Damen & Herren durch die meisten der 13 Höfe des von Leopold II. gegründeten, ehemaligen, alten AKH. Um vom einem zum anderen Hof zu gelangen, waren ihnen Tür und Tor geöffnet. Wobei die Hofgesellschaft des Kaisers im August 1784 eine ganz andere war als jene, die im Juni 2026 mit Karte & Kompass durch die Höfe der historischen Anlage navigierte. Damals gab es unter anderem den Oberhofküchenmeister, die Kammernäherin oder den Tafeldecker. Diesmal konnte man eher Postenstandort-Entdecker beobachten, die sich dem Ziel auf dem Gelände der USI-Sportanlage Sensengasse näherten.

Nach einem abschließenden Abstecher in den Arne Karlsson-Park wartete noch eine kleine Stadionrunde. Auf der Laufbahn des Universitätssportplatzes krönte Jasmina ihre Sprint-Laufbahn nach 15:44min. mit dem ersten nationalen Titel in dieser Disziplin. Ihre Staatsmeisterschafts-Goldmedaille sicherte sie überlegen mit 16 Split-Bestzeiten (!) und mehr als einer Minute Vorsprung auf die Zweitplatzierte Anna Simkovic [OLC Wienerwald] ab. Dahinter eroberte Tina, gemeinsam mit Laura Ramstein [OLC Graz], wie im Vorjahr die Bronzemedaille. In den Top Ten ordneten sich auch noch Mika auf dem 5. Platz und Babsi auf dem 8. Platz ein. Und all das, obwohl Titelverteidigerin Ylvi leicht erkrankt auf einen Start verzichten musste.

Bei den Herren absolvierte Nico die 4,1Kilometer lange Bahn am schnellsten. Mit einer Zeit von 14:39min. und 25 Sekunden Vorsprung verteidigte er seinen Sprint-Staatsmeistertitel aus dem Vorjahr erfolgreich. Um die Naturfreunde Wien-Fahne hochzuhalten, kam ihm Lauri zu Hilfe. Unsere Nachwuchshoffnung sprintete auf den 16. Platz. Alle anderen NFW-Eliteläufer waren leider krank, verletzt oder nicht fit genug.

Natürlich ist das Jammern auf hohem Niveau, wenn man als Verein beide Staatsmeisterschafts-Titel bejubeln kann. Nach dem Hof-Sprint wurden die Goldmedaillen auf der großen Sport Austria Finals-Bühne vor dem Rathaus an Kastner und Gassner überreicht. Man kann in diesem Fall – mehr als 100 Jahre nach dem Ende der K.u.K.-Monarchie – möglicherweise von der K.u.G-Hofgesellschaft sprechen. Die erste Audienz gaben die neuen Würdenträger dann schon wenige Stunden später bei den ersten österreichischen Staatsmeisterschaften im K.O.-Sprint vor dem Wiener Rathaus. Und das auch noch ähnlich erfolgreich.


