Am Tor zur grünen Hölle
Zivile Erfolge auf militärischem Gelände gab es für unser Naturfreunde Wien (Mountainbike) – Orienteering Team am vergangenen Wochenende. Beim Mountainbike-Orienteering am 18. und 19. April 2026 in Großmittel & Blumau und den dort ausgetragenen Österreichischen Meisterschaften 2026 in den Disziplinen Massenstart und Sprint konnten Sabine [D60-] & Ferri [H60-] drei Bronzemedaillen in ihre Satteltaschen packen.

Am Samstag zeigten Christine, Sabine, Felix, Michael & Ferri Profil und hinterließen ihre Reifenabdrücke auf historischem Boden. Schon 1819 war Großmittel im damaligen Kataster als Truppenübungslatz verzeichnet. Wobei der Begriff Großmittel als Bezeichnung einer Ortschaft heute wie ein Widerspruch um die Ecke kommt. Laut Volkszählung waren 2025 nur 15 Personen in Großmittel hauptgemeldet.
Die österreichischen Meisterschaften im Mountainbike-Orienteering am 18. April 2026 brachten somit eine – passend zur militärischen Nutzung des Geländes – Explosion der Bevölkerungszahl. Und alles begann mit einer Art mobiler Bürgerversammlung, denn die Medaillen wurden in der Disziplin Massenstart vergeben.
In mehreren Wellen wurden die Damen & Herren aller Kategorien in die nahezu unendlichen Weiten des Truppenübungsplatzes geschickt, der vom 20 km2 großen Trockenrasengebiet geprägt wird. Trocken und rasen waren auch zwei wichtige Komponenten des Renngeschehens. Das Wetter war trocken und rasen war wichtig, wollte man um die Spitzenplätze mitkämpfen. Diesen Kampf führten Sabine [D60-] und Ferri [H60-] am erfolgreichsten, für beide endete der Steppen-Tanz auf dem jeweils 3. Platz, macht also zwei Bronzemedaillen für unseren Verein. In der „hätt-i-war-I-Wertung“ gab es noch den 1. Platz für Christine [D50-]. Allerdings nutze ihr die schnellste Zeit aufgrund eines Misspunches nichts.

Auf alten Militärkarten des Truppenübungsplatzes aus dem 19. Jahrhundert ist nicht nur „das große Mittel“ eingezeichnet, sondern auch „das kleine Mittel“. Nördlich davon liegen der K.u.K. – Artillerieschießplatz und die Blumau. Heute verwildern auf dem Gelände des Garnisonsübungsplatzes Blumau-Neurisshof Büsche, Bäumen & Wiesen sowie Häuser, Hallen & Bunker. Am 19. April 2026 bestand anlässlich der österreichischen MTBO-Meisterschaften im Sprint die Möglichkeit, im militärisch genutzten Ruinenfeld auf Forschungs- und im besten Fall Erfolgsreise zu gehen. Die NF Wien-Reisenden waren Christine, Sabine, Zoe, Felix, Michael & Thomas und die Debütanten Johannes & Felix. So mancher Stand am Tor zur grünen Hölle und hoffte auf Durchfahrt.

Die ursprünglich zivilen und später militärischen Fabrikanalgen und Produktionshallen wurden im 2. Weltkrieg größtenteils zerstört und blieben danach ungenutzt, die natürliche Zerstörung setzte ein und ließ einen wilden Orienteering-Themenpark entstehen. Egal, wie man hier unterwegs ist: zu Fuß, mit dem Rad oder zu Fuß mit dem Rad, es ist ein äußerst schwieriges und forderndes Gebiet. Und immer wieder ein großer Spaß.
Querfahren war mehr erlaubt als möglich, schnelles Vorwärtskommen schwierig. „Umfahren“ auf guten Wegen lohnte sich. Die vielen Single Trails (auf der Karte punktiert dargestellte Pfade) verliefen oft nicht geradlinig, sondern in Schlangenlinie quer durch den Dschungel, rund um Reste und Ruinen von Gebäuden.

Erfolgreichste Sprinterin unseres Vereines war wieder Sabine [D60-], die sich wie am Samstag den 3. Platz und die Bronzemedaille sichern konnte. Thomas [H40-] parkte sich als ÖM-Vierter unmittelbar neben dem Podest ein, Christine [D50-] fuhr auf den 5. Platz. Dafür spürten Johannes und Felix beim Schnuppern den Geruch des Erfolges in der Nase. In ihrer Einsteiger-Kategorie [Direkt] überraschten sie mit den Rängen 1 und 3 bei ihrer MTBO-Premiere: „Es war spannender und abwechslungsreicher als gedacht. Hat Spaß gemacht, wir kommen gerne öfter“ lautete ihre Reaktion. Ein Besuch in der Hölle erwärmt eben, auch das Herz.


