Staffel-Bronze bei der Militär-WM
Der Befehl ist folgender: Du bist Teil der österreichischen Spezialkräfte, die im motorisierten Eilmarsch ins Einsatzgebiet in Stans in der Schweiz verlegt werden. Dort ist der Auftrag, bei den 53. Militärweltmeisterschaften im Orientierungslauf [CISM] im Rahmen der sportlichen Landesverteidigung von 19.-25. Oktober 2026 in den Disziplinen Langdistanz, Staffel & Sprint seine Kernaufgaben bestmöglich und mit Spaß zu erfüllen. Für Österreich. Der Befehl gilt für Korporal Ylvi und Zugführer Nicolas. Wenn es keine Fragen gibt: „Zum Dienst abtreten!“.

Die 53. Militärweltmeisterschaften im Orientierungslauf [CISM] beweisen es: Die umfassende Landesverteidigung hat auch eine sportliche Komponente. Die im Laufschritt absolvierte „Mission Vorwärts“ beginnt am 21. Oktober 2026 mit der Langdistanz-Entscheidung im Brennwald am Südufer des Vierwaldstätter Sees. Läuferinnen & Läufer aus 26 Nationen sind in die Zentralschweiz gekommen, darunter militärische Profis und uniformierte Hobby-OL’er.

Der Tag im anspruchsvollen Karstgelände ist nicht hart, sondern härter. Schuld daran sind die kalten Temperaturen und Dauerregen. Auch der Nebel erschwert die klare Sicht auf das von steilen Felswänden, tiefen Spalten, Dolinen und komplexen natürlichen Formationen geprägte Gelände. Während Ylvi nach längerer Krankheit auf das Abenteuer verzichtet, gibt sich Nico den Spaß in voller Länge. Sein Rennen ist gut, auch wenn er sich über ein paar Fehler ärgert. Langsam arbeitet er sich im international sehr gut besetzten Feld in die TopTen vor, nach knapp 70 Minuten läuft er als bester der österreichischen Bundesheer-Sportler auf den 7. Rang. Eine wichtige Erkenntnis erlangt unser Heeressportler erst Stunden nach dem Zieleinlauf:
„Langsam wird mir wieder warm.“
Militärweltmeister wird der Tscheche Tomas Krivda, der die Schweizer Fabian Aebersold und Reto Egger klar auf die Plätze zwei und drei verweisen kann.

Am 22. Oktober 2026 wird das CISM-Programm mit den Staffel-Bewerben fortgesetzt. Ein prähistorischer Bergsturz vom Stanzerhorn hat den Kernwald südlich von Luzern einst geformt und einen OL-Abenteuerpark entstehen lassen. Bei den Damen startet Ylvi für Österreich wie „aus der Dienstpistole geschossen“.

Nach der ersten Gabel ist sie auch als erste beim gemeinsamen Posten 2. Und das mit 40 sec. Vorsprung auf Polen und über eine Minute auf die Schweiz. Ylvi sieht keine der Gegnerinnen, weiß nicht, dass sie ganz allein führt. Die Situation verunsichert sie: bei Posten 3 sucht sie 6 Minuten. Es folgen wieder gute Abschnitte, aber dann bremst ein Sturz ihren Lauf. Das Match lautet Schulter und Unterschenkel gegen Stein. Unterschenkel verliert, schwillt an und tut weh:
„Da hat’s mich ordentlich auf die Go‘ g’haut“
Anschließend zeigt Ylvi ihre Zugehörigkeit zur kämpfenden Truppe, kommt als 8. Ins Ziel. Dort wird sie vom Sanitätspersonal versorgt und kann wenig später schon wieder lachen. Österreich (mit Emily Adenstedt und einer Nicht-OLerin) belegt schließlich den 8. Platz. Die Schweiz gewinnt überlegen.

Bei den Männern ist Nico der rot-weiß-rote Schlussläufer. Lukas Novak [Leibnitzer AC] kommt als 14. zur Übergabe, Mathias Peter [OLC Graz] beendet seine Schicht als 9. mit 8min20 Rückstand auf die Spitze. Die Chance auf eine Medaille ist für Titelverteidiger Österreich wieder viel größer. Und Nico nutzt diese Chance. Gemeinsam mit dem Finnen Akseli Ruohola kann er aufholen. Ein kleiner Fehler von Nico bringt Polen wieder heran. Auf der Schlussrunde nutzt Zugführer Kastner seine Chance löst sich vom starken Michal Olejnik und überquert als 4. die Ziellinie, 7min29 hinter Platz 1. Da aber nur eines der beiden ganz vorne klassierten Schweizer Teams in die offizielle Wertung kommt, ist es der 3. Platz für Österreich.

Ob dieses Foto als Beweisstück taugt, ist unklar. Aber es unterstreicht den Schluss: „Österreichs Staffel hat den Kuh geschafft“. Oder so ähnlich. Für viele überraschend werden dann bei der Flower Ceremony in der Arena beide Schweizer Teams aufs Podest gerufen, nicht aber Österreich. Bei der offiziellen Siegerehrung am Samstag Abend wird es dann aber die Bronzemedaille für unsere Staffel geben.

