EM 2026: vereinzelter Sonnenschein
Die Sonne hat bei den European Orienteering Championships [EOC] in Druskininkai in Litauen ihre letzte Chance genutzt. Endlich strahlte sie während der beiden abschließenden Staffel-Entscheidungen am 27. September 2026 vom wolkenlosen Himmel. Von unserem Naturfreunde Wien-Trio konnte zumindest Ylvi dieses Strahlen nach einem guten Rennen reflektieren. Bei Lina und Nico gab es zwar ebenfalls Licht, aber auch viel Schatten. Und so blieb für Österreichs Teams schlussendlich keinen Platz an der sprichwörtlichen Sonne frei.

Man könnte sicher sagen, dass bei Sonnenschein jeder Wald gleich viel schöner aussieht. Tatsächlich kommen alle Staffelteams, fast 60 bei den Herren und mehr als 40 bei den Damen in den Genuss, die schönsten und „schnellsten“ Teil des Waldgebietes Petroškai–Klepočiai zu belaufen. Zwischen Hainbuchen, Eichen, Fichten und Kiefern entwickeln sich zwei spannende Hochgeschwindigkeits-Rennen.

In Litauen, dem einzigen überwiegend katholischen Land des Baltikums ist der Sonntag der Tag des Herren, so zelebrieren zunächst die Männer ihre mobile Feldmesse. Für Österreichs Team 1 beginnt Lukas Novak [Leibnitzer AC], dem leider einige Fehler passieren. Beim ersten Wechsel ist Österreich 1 dann schon dreieinhalb Minuten hinter der Spitze und auch hinter dem zweiten rot-weiß-roten Trio. Nico hat von Lukas Novak übernommen und jetzt die schwierige Aufgabe, sich weiter nach vorne zu arbeiten.

Nach gutem und schnellem Beginn ist aus der Sicht und zu Ungunsten von Österreich 1 die Messe aber rasch gesungen. Auf dem Weg zu Posten 5 passt die Richtung nicht. Nico verliert den Kartenkontakt und den Anschluss ans Mittelfeld. Österreich 1 büßt weiter viel Zeit und viele Positionen ein. Die Chance auf ein Top Ten-Ergebnis im Nationenranking ist dahin und im Ziel „beichtet“ Nico extrem enttäuscht seine „Verfehlungen“: „Das war auf keinen Fall der Abschluss, den ich haben wollte. Ich habe gut ins Rennen gefunden und konnte auch einige Gegner überholen und dann bin ich plötzlich ratlos im Wald gestanden. Keine Ahnung, was mir da passiert ist, dass muss ich mir nochmal in Ruhe anschauen.“ Der dritte Mann, Mathias Peter [OLC Graz] macht dann ein sehr gutes Rennen, dennoch ist der 18. Platz für Österreich im Nationenranking weit unter den eigenen Erwartungen.

Bei Österreichs Damen kann man zwei Drittel des Rennens von einen ungetrübten Schönwetterphase sprechen. Zunächst mach Anna Gröll [OLC Graz] den Herbst noch einmal zum Sommer. Unsere Startläuferin liefert voll ab und ihr bestes Rennen bei diesen Europameisterschaften. Knapp hinter den schnellsten 10 Staffeln kommt sie zur Übergabe, in der Nationenwertung ist Österreich sogar auf dem 9. Platz.

Auch beim Lauf von Ylvi, die gut und entschlossen fortsetzt, würden Wetterexperten von einem Hoch sprechen. Österreich überholt Tschechien (Tereza Rauturier) und Litauen. Bei Posten 8 sorgt ein kleiner Fehler dafür, dass die genannten Nationen wieder vor Österreich sind. Aber Ylvi bleibt dran. Auch zwei kleine Unsicherheiten auf der kurzen Schlussrunde ändern nichts mehr am guten Lauf unserer Bundesheer-Sportlerin. Österreich ist beim zweiten Wechsel weiter auf dem 9. Platz in der Nationenwertung und Ylvi bringt Sonnenstrahlen in die Interviewzone: „Es war sehr gut eigentlich. Ich bin ziemlich zufrieden. Ich habe die Fehler sehr gut in Grenzen halten können und mich auch physisch o.k. gefühlt. Ich bin in der Gruppe mit starken Gegnerinnen gut mitgekommen. Das war ein tolles Gefühl.“
„Es ist schön, die Woche so abschließen zu können.“
Danach kämpft Lina auf der Schlusstrecke tapfer. Gegen und mit den Konkurrentinnen, aber auch gegen und mit Oberschenkelmuskel-Problemen, die sich auch in diesem Rennen wieder bemerkbar machen. Lina kommt auch ohne große Fehler durch, kann aber das gewünschte Tempo nicht laufen. Sonne und Wolken ziehen rasch über den rot-weiß-roten Horizont. Einige Nationen können Österreich überholen, es wird der 14. Platz im Nationenranking für das rot-weiß-rote Trio: „Auch weil Anna & Ylvi so gut gelaufen sind, war ich sehr aufgeregt. Ich musste dann von Anfang an kämpfen. Die ganze Woche hatte ich Probleme mit meinem Oberschenkel, aber das viele Adrenalin hat mir sicher geholfen. Ich habe alles gegeben und bin froh, dass ich durchlaufen konnte.“

Die letzten Titel dieser European Orienteering Championships [EOC] gehen bei den Männern an die Schweiz, nach einer sensationellen Aufholjagd von Schlussläufer Fabian Aebersold, und bei den Damen an Schweden, wobei Tove Alexandersson trotz eines heftigen Sturzes auf der Schlussrunde alles im Griff hat. Vor allem dann ihre zweite Goldmedaille bei der Siegerehrung. Im Sonnenschein.


