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Weltcup: kein Fluss am See

Der Weltcup-Auftakt 2026 in der Schweiz ist für unsere Nationalteammitglieder Ylvi & Nico nicht nach Wunsch verlaufen. Beim anspruchsvollen Sprint in Locarno am 24. April 2026 verpassten beide die Top50 und somit Weltcuppunkte. Während Nico einige falsche Routen wählte, reihte Ylvi nach perfektem Beginn dann Fehler an Fehler und kam am Ufer des Lago Maggiore nicht wirklich in der Flow. Auf Deutsch: Es entstand kein Fluss am See.

Der Abend vor dem ersten Weltcup-Rennen des Jahres fühlt sich in Locarno schon nach Sommer an. Ylvi & Nico genießen das Abendessen mit dem Team Austria auf der Terrasse des Quartiers ebenso wie den Blick über den Lago Maggiore. Es ist frühsommerlich warm, die Palmen am Ufer des riesigen Sees stehen (wind)still im Schatten der Alpen. Locarno vermittelt an diesem herrlichen Tag nicht den Eindruck, im Süden der Schweiz, sondern im Süden Europas zu liegen. Ylvi und Nico fühlen sich wohl und freuen sich auf den Weltcup-Auftakt.

Beide sind optimistisch und hoffen nicht unberechtigt auf ein starkes Rennen. Beide haben bei den nationalen Qualifikationsläufen gute Ergebnisse abgeliefert und auch beim 3.000m-Bahntest überzeugt, Ylvi hat zudem zuletzt in St. Gallen einen Schweizer Ranglistenlauf gewonnen, bei dem bis auf Simona Aebersold und Natalia Gemperle alle Schweizer EM-Starterinnen dabei waren. Die Form ist da, die Zuversicht auch.    

Nach einmal Schlafen ist er da, der Weltcup-Auftakt-Sprint in Locarno. Ylvi gehört ja zu den Top40 der Weltrangliste und muss lange auf ihren Start warten. Um 16 Uhr 48 legt sie los, wie Ylvi eben loslegt. Sehr gut und sehr schnell. Bei den ersten Posten übernimmt sie sofort die Führung. Bei Posten drei bleibt sie, zeitgleich mit der späteren Siegerin Hanna Lundberg [SWE] die Schnellste der 114 Damen. Bei Posten 5 ist sie immer noch sensationelle Zweite, sensationelle 15 Sekunden vor Superstar Simona Aebersold [SUI], die am Ende den 3. Platz belegt.

Aber dann ist Prater. Das Fehlerkarussell beginnt sich zu drehen. Die Hochschaubahnfahrt der Gefühle hat begonnen. Eben noch ist man ganz oben und dann geht’s schnell bergab. In diesem technisch anspruchsvollen Abschnitt macht Ylvi einen 180 Grad-Fehler. Zeit geht verloren, der Fokus vielleicht auch. Die Route zu Posten 10 ist ebenfalls nicht perfekt, und dann kommt die lange Passage zu Posten 11 und zum Kartenwechsel, Ylvi läuft (nicht als einzige an diesem Tag) in eine Sackgasse. Zeitverlust: mindestens 45 Sekunden. Im Kopfkino läuft längst ein Film bei dem man nicht an ein Happy End glaubt. Und es kommt noch schlimmer: Auch der Kartenwechsel und die Neu-Orientierung stellt Ylvi (nicht als einzige) vor große Probleme. Zeitverlust wieder 40 Sekunden. Damit noch immer nicht genug, auch Posten 15 stempelt Ylvi mit großem Zeitverlust, der Zieleinlauf auf der Piazza Grande inmitten der „Citta Vecchia“, der Altstadt von Locarno ist kein Genusslauf. OL kann wunderschön, aber auch brutal sein, wie der 77. Platz belegt. „Ich habe genug Fehler gemacht, um eine ganze Sammlung von gescheiterten Manövern alleine zu füllen“ schreibt Ylvi sinngemäß auf Strava und verdeutlich mittels Emoji: es war ein Lauf für den Mistkübel.  

Auch Nico kommt an diesem Freitag nicht in den Flow. Nach konzentriertem Beginn sind es die Routen zu den Posten 5 bis 7, die wichtige Zeit kosten. Nico wird im Feld er 140 Athleten aus den Weltcuppunkterängen gespült, kann seine technischen Stärken nicht wie gewohnt ausspielen. Immer wieder entscheidet er sich für die „falsche“ Route, dazu kommen noch zwei nach Eigendefeinition „dumme Fehler“ bei den Posten 16 und 17 kurz vor der Arena. So muss er sich als drittbester Österreicher mit dem 67. Platz zufrieden geben. Tino Polsini [SUI] feiert vor Tomas Krvida [CZE] einen Heimsieg, mit 1 Sekunde Vorsprung. Das Leben kann so wundervoll sein am Lago Maggiore.

Das (Spitzensport)Leben kann aber auch gar nicht gut sein am Lago Maggiore. Denn der Weltcup-Auftaktbewerb war gleichzeitig die Qualifikation für den K.O.-Sprint zum Abschluss dieses Wochenendes. Nur die besten 36 Damen und die besten 36 Herren des Sprints am Freitag sind am Sonntag noch dabei. Dazwischen gibt es am Samstag ab 16 Uhr noch die Mixed-Sprint-Staffel. Mit Ylvi [AUT 1] und Nico [AUT2]. Hoffentlich kommen sie dabei in den Fluss am See.