Berichte

Ein Quartett ist Meister Lampe

Wir liefen und es lief, als wäre Helene Fischer bei den Österreichischen Nacht-Meisterschaften 2026 unsere musikalische Begleitung gewesen. Wir liefen am 10. April 2026 in Altendorf in Niederösterreich und es war, als lief „Atemlos durch die Nacht“ in unserenOhren.Also, aufgesperrt dieselben.Denn die Jubelmeldung „4 Titel und 10 weitere Medaillen“ für die knapp 40 Läuferinnen und Läufer unseres Vereines ist doch großer Hörgenuss. Mehr oder weniger genauso wie Helene Fischers großer Hit.  

Allerdings waren wir einerseits atemlos, andrerseits aber auch gar nicht atemlos unterwegs. Denn man konnte den Atem sehr gut sehen. Kein Wunder bei einer Temperatur, die nur ein ganz kleines Plus vor sich hertragen durfte. Ein großer Vorteil von Nacht-OL im Frühling ist ja, dass man sich das kalte, neblige, feuchte, einfach grausliche Herbstwetter erspart. Das hätten wir zumindest gedacht.

Aber schon bei der Anreise wurde klar, der Frühling macht heute Pause. Je näher wir Altendorf kamen, desto dichter wurde der Nebel. Im Wald neben der Straße kämpfte an vielen Stellen frisch gefallener Schnee gegen sein Verschwinden. Es war sehr umsichtig, die Mehrzweckhalle nicht zu heizen, sondern konnten wir uns dort schon gut auf das, was uns im Wettkampf erwarten würde, einstellen. So mancher bekam kalte Füße, was aber nicht bedeutete, dass er oder sie auf den Start verzichtet hätte. Auch im Wald gibt es keine Fußbodenheizung, aber man darf Laufschuhe tragen.

Wer im Ziel war, hatte es geschafft. Hatte aber vielleicht einen Blindflug hinter sich und so manchen Posten länger gesucht. Hatte vielleicht auch eine sehr starke Lampe, mit deren Kraft und der Hilfe des Nebels man sich sogar selbst blenden konnte, nach dem Motto: zu großer Lumenschmuck auf dem Kopf kann helle Köpfchen stören. Hatte vielleicht auch Probleme, die Entfernungen in der Dunkelheit richtig einzuschätzen. Hatte vielleicht auch eine angelaufene Brille, die das Wort Sehbehelf konterkarierte. Hatte vielleicht auch Glück, gerade nicht auf einen Feuersalamander zu steigen. Hatte nicht das Glück, reflektierende Postenschirme zu sehen, weil es die nicht gab, dafür aber reflektierende Rehaugen. Hatte aber vielleicht auch viel Spaß in einigen, sehr schönen Abschnitten des Waldes. Und hätte vielleicht auch gerne eine längere Bahn absolviert. In vielen Kategorien lagen die Siegerzeiten deutlich unter 20 Minuten.

Wer im Ziel war, hatte Gewissheit. Wusste, ob der Lauf für eine Medaille gereicht hat. Diese rot-weiß-roten Nacht-Meisterschaften waren ja an diesem Wochenende der einzige Wettkampf und viele Läuferinnen & Läufer verzichteten auf die Reise ins südliche Niederösterreich. In manchen Kategorien die Konkurrenz daher nicht so stark wie sonst. Dennoch musste man abliefern, um bei der Musik dabei zu sein. So konnte sich ein Naturfreunde Wien-Quartett mit dem offiziellen österreichischen Meistertitel und dem inoffiziellen Titel „Meister Lampe“ belohnen. Marina [D45-], Vera [D60-], Thomas [H45-] und Wolfgang W. [H55-] gewannen Gold.  Dazu eroberten Matilda [D-16 Elite], Birgit [D60-], Adam & Albert [H-14] & Ferri [H60-] jeweils Silber. Weitere Gratulationen verdienen Charlotte & Lucia [D-12], Iris [D-18 Elite], Livia [D21- Elite], Manuela [D55-], Florian [H21- Elite] und Hannes [H45-]. Sie alle sicherten sich Bronze.

Wer im Ziel war, hatte das Anstrengendste noch vor sich. Denn egal, ob man einen Preis gewonnen hatte oder nicht, musste man noch den Preis für den absolvierten Downhill-Nacht-OL bezahlen. Vom Ziel ging es rund 2 Kilometer und knapp 200 Höhenmeter bergauf zurück ins Wettkampfzentrum. Unmarkierte Grabenquerung inklusive. Auch auf dem Weg zurück konnte man noch Fehler machen. Und atemlos im Wettkampfzentrum ankommen. Mitten in der kalten April-Nacht.