Weltcup-Tagebuch: Donnerstag
Donnerstag, 06. August 2026: Beim Weltcup-Wochenendes in Viššy Brod in Tschechien wurde es erstmals richtig ernst. Nach der Qualifikation kämpften die 60 besten Frauen und Männer im Langdistanz-Finale um Podestplätze und persönliche Erfolgserlebnisse. Nico kämpfte diesen Kampf erfolgreich, der starke 31. Platz ist seine persönliche Bestleistung im Weltcup. Das B-Finale der Damen beendete Tina auf dem 29. Platz.
So nah war der Orientierungslauf-Weltcup Österreich noch nie. Bei Posten 7 der langen Langdistanz-Bahn der Männer roch es schon sehr nach Mühlviertel. Der Grenzbach Bystra sprudelte nur 200m südlich des Postenschirms. Danach wurde es wieder tschechischer, mit Österreich im Rücken waren noch rund zwei Drittel der 15,2km langen Bahn mit 735 Höhenmetern zu absolvieren. Die angekündigten Unwetter blieben zwar aus, dennoch war es schön schwül.

Viele Hügel und noch mehr Steine später begann bei Posten 23 der lange Arenadurchlauf. Die meisten Hobbyläuferinnen und Läufer unseres Vereines hatten ihr Rennen bereits beendet. Einige davon blieben trotz der Hitze in der Arena, um die Weltelite zu beobachten und akustisch zu unterstützen. Die Stimmung war so gut wie der Eindruck, den unser Naturfreunde Wien-Solist noch machte. Nico lag mit der Chance auf einen Platz in den Top 40 gut im Rennen und wurde mit lauten Anfeuerungsrufen der vielen heimischen Fans zum Zuschauerposten getrieben und danach auf die letzte harte Schleife in den Wald geschickt.

Nico blieb weiter konzentriert, vermied größere Fehler und kämpfte weiter um jede Sekunde und versuchte, den Mann mit dem Hammer so gut es ging, auf Distanz zu halten. Die gut gelaunte Sonne machte die Wiesen-Laufpassage bergauf zum letzten Posten noch länger, noch härter. Angetrieben von den österreichischen Zuschauerinnen und Zuschauern sprintete er der Ziellinie entgegen, überholte noch einen Gegner und beendete das Rennen nach 108:58 Minuten auf dem 31. Platz.

Noch nie war er im Weltcup so gut. Zur Belohnung gab es viele anerkennende Kommentare und 20 Weltcuppunkte. Dieses Ergebnis ist vielleicht sogar höher einzuschätzen als sein 25. Platz bei der WM 2025 in Kuopio, denn im Weltcup haben die Top Nationen wie Schweden, Schweiz, Finnland und Co. ja jeweils 8 Startplätze, ganz anders als bei den Weltmeisterschaften. Auch der Rückstand von Nico war viel geringer als in Finnland. Sein Kampf wurde belohnt, wie sein erster knapper Kommentar bestätigt:
Es war zum Sterben
Im B-Finale der Frauen wurde Tina eine Bahn mit 11,1 Kilometern Länge und 490 Höhenmetern zur Bewältigung vorgesetzt. Und sie bewältigte die Aufgabe nach 120:29 Minuten, die für den 29. Platz reichten. Tina musste sich dabei nicht nur mit den Herausforderungen des Geländes auseinandersetzen, sondern auch mit deutlich eingeschränktem Sichtfeld: „Ab Posten 5 oder 6 habe ich nur mehr auf einem Auge gesehen, da mir meine Kontaktlinse gerissen ist. Ich habe sie dann entfernt.“ Lina hat nach der gestrigen Hitzeschlacht in der Quali auf den heutigen Start im B-Finale verzichtet.

Wem alle, die an diesem Tag alles gegeben haben, ob eingeschränkt oder nicht, auf jeden Fall sehr gerne entgegenblicken, ist der freie Tag am Freitag. Die Erholung ist hochverdient, bevor am Wochenende noch Mitteldistanz und Staffel warten. Die Erholung findet übrigens daheim in Österreich statt. Das Nationalteam wohnt in Bad Leonfelden. Nur rund 4000m vom heutigen Männer-Posten Nummer 7 entfernt.


